Das klassisch gewordene Grundlagenwerk -
In der Umgangssprache wird das Wort "hysterisch" abwertend für alles Unechte, Theatralische, haltlos Übertriebene benutzt. Die Psychiatrie und die Psychologie belegten mit dem Terminus Hysterie eine Fülle von körperlichen und seelischen Symptomen und Störungen, die erst durch die Psychoanalyse Sigmund Freuds eine einheitliche Bedeutung und Erklärung erhielten.
Zwar sind die damals beschriebenen klassischen hysterischen Krankheitsbilder im Lauf des 20. Jahrhunderts immer seltener geworden; die Auffassung des Hysterischen als Reaktion auf eine längst überwundene repressive Sexualmoral ließ das Freud'sche Konzept als obsolet erscheinen.
Stavros Mentzos weist jedoch mit zahlreichen eindrucksvollen Beispielen nach, dass der hysterische Modus der Konfliktverarbeitung mittels unbewusster Inszenierungen relevant bleibt - nicht nur zum Verständnis psychopathologischer und psychosomatischer Dynamik, sondern überhaupt menschlichen Verhaltens und Interagierens.
Das in sieben Auflagen (im Fischer-Taschenbuch-Verlag) klassisch gewordene Grundlagenwerk, ein wegen seiner klaren Konzeption, Verständlichkeit und seinem Informationsreichtum geschätztes Buch, wurde nun um ein Kapitel über die Hysterie zu Beginn des 21. Jahrhunderts erweitert.
Der Autor Professor em. Dr. med. Stavros Mentzos, Psychiater und Psychoanalytiker, leitete bis 1995 die Abteilung für Psychotherapie und Psychosomatik im Klinikum der Universität Frankfurt a.M.
Inhalt
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
Vorwort zur 8., erweiterten Ausgabe . . . . . . . . . . . . . 13
Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
Kapitel I
Hysterische Phänomene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
1. Drei Gruppen hysterischer Phänomene . . . . . . 19
2. Verbreitung und Symptomwandel der
hysterischen Symptombildung . . . . . . . . . . . . . 27
Kapitel II
Hysterie-Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
1. Von Altägypten bis zu Charcot . . . . . . . . . . . . . 31
2. Das psychoanalytische Modell . . . . . . . . . . . . . 35
Kapitel III
Hysterische Symptombildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
1. Annette C. (Konversion) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
2. Die Krankengeschichte von Barbara M.
(Dissoziation) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
Kapitel IV
Hysterische Charakterbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
1. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
2. Deskriptive Merkmale des hysterischen
Charakters (bzw. der heutigen histrionischen
Persönlichkeitsstörung) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
3. Anton C. (Fall Nr. 12) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
4. Ein dramatischer Auftritt (Fall Nr. 13) . . . . . . . 65
5. Zur Typologie hysterischer Charaktere . . . . . . 69
6. Das Über-Ich: der prominenteste Zuschauer . . 73
Kapitel V
Ich-psychologische Aspekte – die einzelnen
Teilmechanismen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
1. Der impressionistische kognitive Stil und
die Affinität für unbewusste Symbolik . . . . . . . 75
2. Emotionalisierung – Dramatisierung . . . . . . . . 78
3. Identifikation als wichtiger Mechanismus innerhalb der hysterischen
Symptom- und Charakterbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
4. Verdrängung und Dissoziation . . . . . . . . . . . . . 84
Kapitel VI
Die Krise des Hysteriebegriffs . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
1. Konversion – nur bei ödipalen Konflikten? . . . 88
2. Hysterischer Charakter – nur bei ödipaler
Fixierung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
3. Hysterie, hysterisch – unbrauchbar gewordene
Begriffe? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
Kapitel VII
Versuch einer neuen Definition . . . . . . . . . . . . . . . . . 93
1. Methodologische Vorbemerkungen . . . . . . . . . 93
2. Der hysterische Modus der »Konfliktlösung« 94
3. Das spezifisch Hysterische . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
4. Einwände gegen die vorgeschlagene
Konzeptualisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
Kapitel VIII
Primärer und sekundärer Krankheitsgewinn . . . . . . 105
1. Primärer neurotischer Gewinn . . . . . . . . . . . . . 105
2. Sekundärer Krankheits-(neurotischer)
Gewinn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109
Kapitel IX
Vergleiche und Gegenüberstellungen . . . . . . . . . . . . 112
1. Ein Vergleich mit der Zwangsneurose . . . . . . . 112
2. Konversion versus psychosomatische
Resomatisierung im engeren Sinne . . . . . . . . . 113
3. Beziehungen zwischen hysterischer Symptomneurose und
hysterischem Charakter (bzw. der heutigen
histrionischen Persönlichkeitsstörung) . . . . . . . . . . . . . . . 116
Kapitel X
Nosologische und klassifikatorische Aspekte . . . . . . 119
Kapitel XI
Interpersonale Aspekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123
1. Die hysterische Kommunikation . . . . . . . . . . . 123
2. Partnerbeziehungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129
3. Warum sind Frauen häufiger hysterisch? . . . . . 133
Kapitel XII
Therapeutische Aspekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135
1. Psychoanalytische Behandlung . . . . . . . . . . . . . 135
2. Besondere Formen der Gegenübertragung . . . 137
3. Nichtanalytische psychotherapeutische
Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142
Kapitel XIII
Die Hysterie im 21. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . 145
Exkurs: Was ist ödipal und was sind die ödipalen
Konflikte? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147
Die »Erben« der Hysterie in der Psychiatrie
des 21. Jahrhunderts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150
Vergebliche Versuche, den alten Hysteriebegriff als
eine Krankheitseinheit zu retten . . . . . . . . . . . . . . 153
Kapitel XIV
Das Hysterische in der öffentlichen Kommunikation
der heutigen Gesellschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155
1. Tokio Hotel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155
2. Fußball regiert die Welt! . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156
3. Sensationslust . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160
4. Sekundäre Hysterisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . 162
5. Nur scheinbar perverse hysterische
Inszenierungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164
Zusammenfassende Betrachtung . . . . . . . . . . . . . . . 166
Abgrenzungen und negative Definitionen . . . . . . . . 166
Positive Definitionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 168
Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 172
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179
Namen- und Sachregister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183