Warum uns Psychotherapie nicht weiterhilft – Plädoyer für Psychoanalyse
Teil 1

Drei Vorträge und Podiumsdiskussion von und mit Helmut Dahmer, Gerhard Hammerschmied und Sama Maani

Ein erstaunlich großer Teil der Texte Sigmund Freuds beschäftigt sich mit „kulturkritischen“ - sprich: gesellschaftskritischen - Themen. Nicht selten in radikaler Weise: „Es braucht nicht gesagt zu werden, daß eine Kultur, welche eine so große Zahl von Teilnehmern unbefriedigt läßt [...], weder Aussicht hat, sich dauernd zu erhalten, noch es verdient.“ Dennoch wird Psychoanalyse in der Öffentlichkeit fast ausschließlich als Behandlungstechnik „seelischer Probleme“ wahrgenommen. Als Psychotherapie-Methode neben anderen, mit höchst umstrittener „Effizienz“. Die Formel: Psychoanalyse ist eine - wenn auch sehr spezielle - Form der Psychotherapie, entspricht auch dem Selbstverständnis der meisten praktizierenden Psychoanalytiker. Psychotherapie aber – und das bringt allein schon der Begriff „Effizienz“ unmissverständlich zum Ausdruck – bewegt sich innerhalb jener gesellschaftlichen Koordinaten, die das Leiden ihrer Klienten erst verursachen. Und verfestigt sie – statt sie in Frage zu stellen.

Helmut Dahmer, geboren 1937, studierte Soziologie und Philosophie bei Helmuth Plessner, Theodor W. Adorno und Jürgen Habermas. In den Jahren 1968-1992 redigierte er die psychoanalytische Monatszeitschrift Psyche. 1984 gehörte er zum Gründungsbeirat des Hamburger Instituts für Sozialforschung. 1974-2002 lehrte er Soziologie an der Technischen Universität Darmstadt. Seit 2002 lebt er als freier Publizist in Wien. Neueste Publikationen: Divergenzen (2009); Die unnatürliche Wissenschaft (2012); Interventionen (2012).

Gerhard Hammerschmied, geboren 1953 in Judenburg. Studium der Theologie und Romanistik in Graz und der Philosophie in Klagenfurt. Lebt und arbeitet als Schriftsteller, Übersetzer und Philosoph in Klagenfurt. Lehrbeauftragter für Philosophie an der Universität Klagenfurt. Veröffentlichungen im Drava Verlag, Passagen Verlag, in Zeitschriften für Literatur, Philosophie und Psychoanalyse.

Sama Maani, geboren in Graz, Studium der Medizin in Wien und der Philosophie in Zürich. Lebt als  Autor, Psychoanalytiker und Psychiater in Wien. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften (u.a. kolik und wespennest) und Anthologien. 2004 Preis des Literaturwettbewerbs schreiben zwischen den kulturen. 2008 österreichisches Staatsstipendium für das Romanprojekt Ungläubig (Drava).

In Kooperation mit dem Verein Literatur und Theorie und dem Politischen Salon.

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Helmut Dahmer © privat